Wirtschaftskrise und Zusammenbruch der Tabakindustrie

1929 bis 1932

Information

Die Sammlung zur Vereins‑ und Dorfgeschichte Westorfs wird fortlaufend erweitert. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr; Fehler oder Lücken sind möglich. Hinweise, Korrekturen oder ergänzendes Material (z. B. Dokumente oder Fotos) sind willkommen und können an info@westorf.de übermittelt werden.

Die Weltwirtschaftskrise trifft das Kalletal mit voller Wucht. Die regionale Zigarrenindustrie bricht ein — viele Westorfer verlieren ihre saisonalen Nebeneinkünfte. Arbeitslosigkeit und Armut breiten sich aus, die wirtschaftliche Struktur des Dorfes verändert sich dauerhaft.

Um den Wegebau trotz leerer Kassen voranzutreiben, führt die Gemeinde 1929 ein Statut für Hand- und Spanndienste ein. Die Leistungen sind nach der Größe der Kotten gestaffelt und sollen die überforderte Gemeindefinanzierung entlasten. Im Winter 1929/30 wird der Weg vom Berge ausgebessert — unter der Bedingung, dass die Arbeitslosen dadurch keine Nachteile bei ihrer Unterstützung erleiden.

Doch die sozialen Spannungen nehmen zu. Im Sommer 1932 kommt es in Westorf zu einem einmaligen Vorgang: Ein Volksbegehren fordert die Auflösung des Dorfparlaments. Hintergrund ist die umstrittene Auslegung der Bedürftigkeitsfrage bei der Arbeitslosenunterstützung. Über die Hälfte der Wahlberechtigten trägt sich in die Listen ein — ein klarer Protest gegen die alte Dorfvertretung.

Die politische Lage eskaliert: Drei nationalsozialistische Mitglieder verlassen eine Sitzung und machen sie beschlussunfähig. Der bisherige Vorsteher tritt altersbedingt zurück, und am 22. September 1932 wird August J. Weege mit knapper Mehrheit zum neuen Vorsteher gewählt. Der Volksentscheid wird nicht weiterverfolgt — doch die Ereignisse markieren einen Wendepunkt: Westorf ist tief in die politischen und sozialen Umbrüche der frühen 1930er Jahre verstrickt.

Quelle: SÜVERN, Wilhelm, 1965. Das Kirchspiel Hohenhausen: Geschichte der Gemeinden Hohenhausen, Bentorf, Brosen und Westorf. Lemgo: Wagner