Als im Dezember 1999 die alte Westorfer Uhr in der Dorfmitte bei einem Unfall schwer beschädigt wurde, stand der Ort vor einer Entscheidung: Reparatur oder Neuanfang. Die Schäden an Uhr und Umfeld machten schnell deutlich, dass es mehr brauchte als einen Ersatz. Aus dem Wunsch nach einer dauerhaften, identitätsstiftenden Lösung entstand eine Idee, die Westorf bis heute prägt – der große Naturstein mit Uhr im Herzen des Dorfes.
Von der Idee zum Projekt
Die Grundidee, eine neue Uhr auf einem Naturstein zu errichten, entstand im Gespräch zwischen Steinmetz Rudi Friedrichs, Werner Diekmann und Cajus Caesar. Die CDU‑Ortsunion griff den Vorschlag auf und machte ihn zum Kern eines kleinen Dorferneuerungsprojekts: Die Dorfmitte sollte nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch aufgewertet werden.
Im Jahr 2000 fuhr eine Westorfer Delegation nach Anröchte, um einen geeigneten Stein auszuwählen. Der Fund war eindrucksvoll: ein über vier Meter hoher Block aus Anröchter Dolomit, grünlich schimmernd, rund 85 Millionen Jahre alt und damit ein Gestein aus der Kreidezeit – derselben Epoche, in der auch die Externsteine entstanden sind.
Manchem erschien der Brocken zunächst „zu riesig“, doch schnell setzte sich die Überzeugung durch, dass gerade seine Größe den besonderen Charakter ausmachen würde. Bei der Anlieferung im November 2000 fiel der scherzhafte Zuruf: „Damit machen wir den Externsteinen Konkurrenz.“
Handarbeit am Stein
Der Stein konnte aufgrund seiner Masse nicht maschinell bearbeitet werden. Rudi Friedrichs und sein Team arbeiteten ausschließlich mit traditionellen Werkzeugen wie Krönel, Scharriereisen, Stockhammer, Meißel und Knüpfel. Rund 200 Arbeitsstunden flossen in das Behauen der Vorder‑ und Rückseite, das Einbringen der Inschriften und das Herausarbeiten der Wappen. Besonders hervorzuheben ist dabei das Engagement von Horst Haake, ehemaliger Mitarbeiter von Rudi Friedrichs, der in seiner Freizeit viele Stunden am Stein gearbeitet und damit einen wichtigen Beitrag zur Fertigstellung geleistet hat.
Besonders anspruchsvoll war das Drehen und Aufrichten des Steins. Ein 30‑Tonnen‑Kran, Radlader, Stapler, Gurte und viel Muskelkraft waren nötig, um den Dolomit in seine endgültige Position zu bringen. Am 20. Juni 2001 um 10:13 Uhr stand der Stein schließlich auf seinem Sockel.
Gestaltung
Der Westorfer Stein erhielt:
- zwei funkgesteuerte Uhren mit einem Durchmesser von rund 60cm,
- die Inschrift „Westorf“ auf beiden Seiten,
- die Lippische Rose und das Kalletaler Wappen,
- einen Sockel aus demselben Gestein, etwa 60 cm hoch und mit „Blitzköpfen“ versehen.
Ein Gemeinschaftswerk
Die Umsetzung des Projekts gelang nur durch ein breites Zusammenspiel vieler Westorferinnen und Westorfer.
Vereine, Institutionen und Privatpersonen beteiligten sich sowohl finanziell als auch mit Sachleistungen und tatkräftiger Hilfe. Dazu gehörten unter anderem der Transport des Steins, die Bepflanzung der Anlage, technische Ausstattung für die Einweihung sowie zahlreiche Stunden ehrenamtlicher Arbeit am Stein selbst und in der Organisation.
Einweihung am 23. Juni 2001
Am Nachmittag des 23. Juni 2001 wurde der Westorfer Stein feierlich eingeweiht.
Die Veranstaltung eröffnete Axel Bünger, Grußworte sprachen Bürgermeister Klaus Fritzemeier und Cajus Caesar. Die offizielle Enthüllung übernahm Walter Stich, Vorsitzender des Lippischen Heimatbundes.
Für die Kinder fuhr die Bimmelbahn „Emma“, es gab Kaffee, Kuchen, Bratwurst und ein kleines Festzelt.
Brandanschlag in der Nacht vor der Eröffnung
In der Nacht vor der Einweihung wurde die Schutzfolie, die den Stein bis zur Enthüllung verdeckte, angezündet.
Die Uhr selbst blieb unbeschädigt, jedoch wurde der Stein durch den schmelzenden Kunststoff verschmutzt.
Der Löschzug Hohenhausen rückte aus, und es wurde eine Belohnung von 500 DM für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Die Einweihung konnte dennoch wie geplant stattfinden.
Bedeutung bis heute
Der Westorfer Stein steht seit 2001 im Zentrum des Dorfes – als Uhr, als Treffpunkt und als markantes Element der Ortsmitte. Er erinnert an ein Projekt, das durch viele helfende Hände möglich wurde und bis heute das Bild Westorfs (sowie das Logo dieser Website) prägt.
Quellen: Zeitungsberichte aus den Jahren 2000–2001 (LZ, LR, Lippische Wochenschau, Lippe aktuell), interne Reden und Dokumentationen zur Einweihung des Westorfer Steins.



