Nach dem Zweiten Weltkrieg wächst Westorf stark an. Durch die vielen Vertriebenen steigt die Einwohnerzahl auf über 500, und im Schuljahr 1948/49 gibt es fast 100 schulpflichtige Kinder. Bis dahin mussten die Westorfer Schülerinnen und Schüler auf drei verschiedene Schulen verteilt werden – nach Bentorf, Talle und Hohenhausen. Der Wunsch nach einer eigenen Schule wird deshalb dringlicher als je zuvor.
Am 8. März 1949 stimmen 156 von 160 Familien für den Bau einer Volksschule. Der Gemeinderat fasst daraufhin einstimmig den Beschluss, eine eigene Schule zu errichten. Bürgermeister Leopold Wüstenbecker treibt das Projekt mit großer Ausdauer voran. Mit dem Fahrrad besucht er Behörden in Lemgo und Detmold, wirbt um Unterstützung und hält das Vorhaben trotz knapper Mittel am Leben.
Die Kosten steigen jedoch rasant: Von ursprünglich geplanten 30.000 DM im Jahr 1949 auf 68.000 DM Anfang 1950. Die steuerschwache Gemeinde steht vor einer enormen Herausforderung. Durch Spenden, Eigenleistungen und geschickte Grundstückstausche gelingt es schließlich, ein geeignetes Baugelände „auf dem Kampe“ zu erwerben. 1953 beginnt der Bau, an dem viele Westorfer freiwillig mitarbeiten.
Am 30. April 1954 wird die neue Volksschule feierlich eingeweiht. Sie gilt als das erste nach modernen Gesichtspunkten errichtete Schulhaus im gesamten Kreis Lemgo. Am 3. Mai ziehen zwei Lehrkräfte und 64 Kinder in das neue Gebäude ein, das zeitgemäßen Unterricht erstmals auch in Westorf möglich macht.
In den folgenden Jahren unterrichten hier Fritz Gerking, Lydia Holländer, Ruth Eichler und ab 1964 Hannelore Geller. Die Schüler der oberen Klassen besuchen ab 1964 die Schule in Hohenhausen. Trotz aller Verbundenheit mit dem eigenen Schulhaus wird klar, dass Westorf sich langfristig den neuen Schulverbänden anschließen muss – ein Schritt, der den Wandel der Zeit widerspiegelt.
Die Westorfer Schule bleibt dennoch ein Symbol für den Zusammenhalt des Dorfes: Ein Bauwerk, das nur durch gemeinschaftliche Anstrengung, Mut und Beharrlichkeit entstehen konnte.
Quelle: SÜVERN, Wilhelm, 1965. Das Kirchspiel Hohenhausen: Geschichte der Gemeinden Hohenhausen, Bentorf, Brosen und Westorf. Lemgo: Wagner
