Um die Jahrhundertwende entstehen in fast allen lippischen Dörfern Zieglervereine — Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins der Ziegler, die zuvor als „Leimenklöpper“ eher gering angesehen waren. Durch bessere Löhne, kürzere Arbeitszeiten, Krankenkassen und modernere Arbeitsbedingungen wächst ihr sozialer Status deutlich.
In Westorf wird der Zieglerverein im Jahr 1905 gegründet. Er reiht sich ein in eine ganze Welle von Vereinsgründungen in der Region: Bentorf (1894), Hohenhausen (1897), Harkemissen (1902) und Brosen (1903). Die Westorfer Ziegler gehören damit zu einer großen, stolzen Berufsgruppe, die im Winter aus ganz Deutschland heimkehrt und das Dorfleben prägt.
Der Verein bietet den Zieglern eine soziale Heimat:
- gemeinsame Versammlungen,
- Austausch über Arbeitsbedingungen und Neuigkeiten des Gewerkvereins,
- Feste, Umzüge und Fahnenweihen mit Musik, Schärpen und Vereinsmützen.
Die Zieglervereine stärken das Gemeinschaftsgefühl, geben den Familien Rückhalt und machen die Ziegler zu einem anerkannten Stand im Dorf. Auch in Westorf wird der Verein schnell Teil des kulturellen Lebens und Ausdruck des beruflichen Stolzes der Zieglerfamilien.
Quelle: SÜVERN, Wilhelm, 1965. Das Kirchspiel Hohenhausen: Geschichte der Gemeinden Hohenhausen, Bentorf, Brosen und Westorf. Lemgo: Wagner
