Nach dem Dreißigjährigen Krieg steckt Westorf über Jahrzehnte in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Felder sind verwüstet, Viehbestände dezimiert, Vorräte aufgebraucht. Trotzdem müssen die Bauern weiterhin hohe Abgaben an die lippischen Landesherren und kirchlichen Grundherren leisten. Missernten, Viehseuchen und steigende Preise verschärfen die Not zusätzlich.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der Meierhof Nr. 1, die älteste Hofstelle Westorfs: 1647 besitzt er nur noch eine Kuh, drei Schweine und kaum bestelltes Land. Wie viele andere Höfe gerät er in Schulden und erholt sich über Jahrzehnte nicht vollständig. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Bauern und Obrigkeit — etwa wegen Zehntforderungen, Frondiensten oder verspäteter Abgaben.
Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts beginnt ein langsamer Wiederaufbau. Felder werden neu bestellt, Viehbestände aufgebaut und zerstörte Gebäude repariert. Die Bevölkerung wächst wieder, und die Höfe stabilisieren sich allmählich wirtschaftlich. Doch die dichte Waldlage Westorfs bleibt ein Hindernis für Wachstum: Das Dorf liegt in einem engen Tal, die Höfe drängen sich um den alten Anger, und die steilen Hänge lassen kaum Erweiterungen zu. Die Ackerflächen liegen am Südrand und entlang des Westorfer Baches — arbeitsintensiv und wenig ertragreich.
Über das gesamte 18. Jahrhundert bleibt Westorf ein kompaktes Waldtal-Dorf mit nahezu unveränderter Struktur. Erst gegen Ende des Jahrhunderts erreicht das Dorf wieder die Stabilität früherer Zeiten.
Quelle: SÜVERN, Wilhelm, 1965. Das Kirchspiel Hohenhausen: Geschichte der Gemeinden Hohenhausen, Bentorf, Brosen und Westorf. Lemgo: Wagner
